Ganz jenseits juristischer Zuständigkeitsfragen, wie dem Haushaltsrecht der nationalen Parlamente, der Kompetenz der europäischen Ebene etc. verfehlt der Fiskalpakt in seiner aktuellen Form aber auch rein haushaltspolitisch die von ihm selbst gesteckten Ziele.
Der Fiskalpakt soll vor allem zu einer größeren Haushaltsdisziplin in der Europäischen Union und damit zu vermeintlich stabileren Finanzen führen. Selbst wenn man dieses Ziel bejaht, ist der Fiskalpakt kein tauglicher Weg dorthin.
Bei der Festlegung der individuellen Konsolidierungsziele wurde nicht auf die konkrete Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten geachtet, sondern diese vielmehr pauschal festgelegt, so dass zunächst fraglich ist, ob die gesteckten Ziele, so man sie für sinnvoll hält, überhaupt realistisch sind.
Dies gilt insbesondere für die zu erbringende Konsolidierungsleistung der bereits aktuell völlig überschuldeten Staaten, wie Portugal, Irland und Italien. Selbst für Griechenland ist die getroffene Regelung fraglich.
Dass akute Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen in Krisenzeiten außerordentlich kontraproduktiv für neues und stabiles Wachstum sind, wird vom Fiskalpakt gar nicht berücksichtigt. Insbesondere Investitionen werden so deutlich erschwert, wiederum mit entsprechenden konjunturellen Folgen.
Währungsrechtliche Fragen werden hingegen, obwohl dringend geboten, nicht im Fiskalpakt geregelt. Dies mag der politischen Situation geschuldet sein, aber die Fragen der Eurobonds bedürfen auch einer zeitnahen Entscheidung.
Demokratische Entscheidungsprozesse werden zudem durch die angedachten Regelungen ausgehoben.
Das zu schaffende Gremium eines Eurogipfels entbehrt jedweder demokratisch-parlamentarischen und juristischen Kontrolle und unterliegt kaum Transparenzregelungen. Darüber hinaus müsste die Rolle einer neuen Institution und die Wechselwirkungen mit vorhandenen Gremien der Europäischen Union durch wirksames EU Vertragsrecht abgeglichen und geregelt werden und darf nicht einfach durch diesen Fiskalpakt festgeschrieben werden.
Überdies ist noch fraglich und wohl zu einem Großteil von der politischen Großwetterlage abhängig, welche konkreten Kompetenzen dieser Eurogipfel erhalten soll und wie sich diese auf das eigentliche Kompetenzgefüge in der Union auswirken.
Vor dem Hintergrund dieser Konstruktion des Fiskalpaktes, kann eine Zustimmung der SPD nur unter weitreichenden Konzessionen erfolgen.
Dies kann zum Beispiel die Einführung einer flächendeckenden Finanztransaktionssteuer sein.
Diese wäre ein Beitrag zur Regulierung und würde Mittel für dringend notwendige Maßnahmen im sozialen Bereich, etwa der Jugendarbeitslosigkeit bringen.
Dieser Artikel von Sebastian Roloff ist im Blog der Jusos erschienen: zum Artikel




